Was gibt es in Gent an einem Tag zu sehen? Ein praktischer Reiseführer mit Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Bootsfahrten auf den Kanälen und zur lokalen Küche.
Vor Gent habe ich Antwerpen und Brügge besucht. Im Vergleich zu diesen Städten ist Gent „kleiner“. Die Sehenswürdigkeiten liegen hier näher beieinander. Die Stadt ist aber schön, und zusammen mit Antwerpen und Brügge würde ich sie für einen Besuch im Rahmen eines Roadtrips empfehlen.
Denkmal der Brüder van Eyck
Direkt an der St.-Bavo-Kathedrale steht eine bronzene Figurengruppe von Jef Lambeaux aus dem Jahr 1913. Sie zeigt die Maler Hubert und Jan van Eyck, umgeben von Figuren, die die Menschheit symbolisieren und ihrem Schaffen huldigen. Diesen Ort solltet ihr besuchen, denn die Brüder schufen den Genter Altar (Anbetung des Lammes) – eines der bedeutendsten Werke der nördlichen Renaissance, das in der benachbarten Kathedrale aufbewahrt wird. Das Denkmal ist ein idealer Ausgangspunkt vor der Besichtigung des Altars selbst.
St.-Bavo-Kathedrale
Diese monumentale gotische Kathedrale aus dem 14. bis 16. Jahrhundert ist der bedeutendste Sakralbau der Stadt. Ihr Turm ist einer der drei Türme, die das Panorama von Gent prägen. Sie wurde auf den Fundamenten einer älteren Kirche aus dem Jahr 942 errichtet, und ihr Innenraum verbindet gotische Elemente mit reichem Barockschmuck.
Der Hauptgrund für einen Besuch ist der weltberühmte Genter Altar (Anbetung des mystischen Lammes) der Brüder van Eyck, der hier aufbewahrt wird. Der Eintritt in die Kathedrale selbst ist kostenlos, nur der Zugang zur Kapelle mit dem Altar ist kostenpflichtig.
Ich bin zwar kein Historiker, aber die Innenräume von Kathedralen, Burgen und ähnlichen historischen Bauwerken haben auf mich immer diesen „Wow“-Effekt. Überzeugt euch selbst.
Genter Rathaus
Das Besondere an diesem monumentalen Gebäude im Stadtzentrum ist, dass es aus zwei architektonisch völlig unterschiedlichen Teilen besteht, die zu einem Ganzen verbunden sind. Die Fassade, die ihr auf dem Foto seht, ist im Renaissancestil erbaut (im 17. Jahrhundert fertiggestellt) und zeichnet sich durch strenge Symmetrie und antike Säulen aus. Gleich um die Ecke schließt sich der ältere, reich verzierte Flügel im Stil der Flamboyantgotik aus dem frühen 16. Jahrhundert an. Genau dieser architektonische Kontrast zieht Besucher an und spiegelt die historische Entwicklung und den Reichtum des mittelalterlichen Gent wider. Die Innenräume mit ihren historischen Sälen können im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
St.-Michaels-Kirche
Dieses Foto habe ich von der St.-Michaels-Brücke aus aufgenommen.
Diese gotische Kirche aus dem 15. bis 17. Jahrhundert steht am Ufer der Leie, direkt neben der gleichnamigen Brücke. Der Bau aus grauem Sandstein fällt durch seinen unvollendeten Turm auf – ursprünglich sollte er über 130 Meter hoch werden und zu den höchsten des Landes gehören. Wegen Geldmangels und eines instabilen Untergrunds blieb es jedoch bei nur 24 Metern. Im Inneren findet sich eine reiche barocke Ausstattung mit wertvollen Gemälden flämischer Meister wie Anthony van Dyck. Es lohnt sich, den Kirchenbesuch mit einem Spaziergang über die St.-Michaels-Brücke zu verbinden, die einen ikonischen Blick auf die gesamte Altstadt bietet.
St.-Nikolaus-Kirche
Die Kirche aus dem 13. Jahrhundert ist einer der ältesten und markantesten Orientierungspunkte in Gent. Sie wurde im charakteristischen Stil der Scheldegotik erbaut. Typisch dafür sind der blaugraue Stein aus der Gegend von Tournai und die ungewöhnliche Lage des Hauptturms direkt über der Vierung, wodurch er als natürliche Lichtquelle dient. Im Mittelalter war sie die Pfarrkirche der wohlhabenden Genter Kaufleute und Zünfte, die ihren Bau direkt neben dem alten Marktplatz Korenmarkt finanzierten. Heute bildet sie das mittlere Glied des berühmten Drei-Türme-Panoramas, und bei einem Spaziergang durch die Altstadt solltet ihr einen Besuch nicht auslassen.
Ehemalige Hauptpost in Gent
Dieses Gebäude am Korenmarkt aus der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstand anlässlich der Weltausstellung von 1913 nach einem Entwurf des Architekten Louis Cloquet. Der Bau verbindet neugotischen Stil mit Elementen der Neorenaissance, und sein unübersehbarer, 52 Meter hoher Uhrturm vervollständigt das historische Stadtpanorama. Die Fassade schmücken Skulpturen, die belgische Provinzen und internationale Herrscher darstellen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die Nutzung als Postamt aufgegeben. Heute dient das Gebäude als Einkaufszentrum (im Erdgeschoss seht ihr zum Beispiel einen Supermarkt von Albert Heijn), und in den oberen Etagen befindet sich das luxuriöse Boutiquehotel 1898 The Post.
St.-Michaels-Brücke in Gent - Blick von der St.-Michaels-Brücke in die Cataloniëstraat
Diese ikonische Brücke über die Leie bietet den schönsten und bekanntesten Blick auf die gesamte Altstadt. Nur von hier aus könnt ihr das einzigartige Panorama der drei mittelalterlichen Genter Türme fotografieren, die genau hintereinander aufgereiht sind – die St.-Nikolaus-Kirche, den städtischen Belfried und die St.-Bavo-Kathedrale. Eingerahmt wird die Szenerie auf der einen Seite vom historischen Gebäude der alten Post und auf der anderen von den malerischen Uferpromenaden. Ein Halt auf der St.-Michaels-Brücke ist ein Muss für alle Reisenden, die die echte Atmosphäre von Gent erleben und ein perfektes Foto von ihrem Ausflug mitnehmen möchten.
Die Uferpromenaden Graslei und Korenlei in Gent
Diese malerischen Uferpromenaden entlang der Leie bildeten im Mittelalter das Herz eines florierenden Handelshafens. Heute ist die Graslei der beliebteste Fotospot und der gesellschaftliche Mittelpunkt von ganz Gent. Sie wird von perfekt erhaltenen Zunfthäusern mit den typischen Treppengiebeln gesäumt, in denen sich heute bekannte Cafés und Restaurants befinden.
Der Ort hat eine unverwechselbare Atmosphäre, die ihr am besten beim Sitzen direkt am Wasser oder auf einer der regelmäßig von hier startenden Bootsrundfahrten genießen könnt. Ein Besuch dieser historischen Ufer ist ein absolutes Muss für alle, die Gent von seiner schönsten Seite erleben möchten.
Ich empfehle euch auch, hier eine Pause einzulegen. Es gibt jede Menge Stände und Restaurants, an denen ihr etwas essen könnt. Die Stimmung ist toll – Boote fahren vorbei, Musik spielt, und alles ist ruhig und entspannt.
Bootsfahrt ab der Graslei
An der Graslei könnt ihr eine Bootsfahrt buchen. Dabei seht ihr zum Beispiel die Burg Gravensteen von allen Seiten. Ihr fahrt unter mehreren Brücken hindurch und entdeckt Orte, die zu Fuß nicht erreichbar sind.
Eine Auswahl verschiedener Ausflüge und Rundfahrten findet ihr auch auf GetYourGuide.
Burg Gravensteen
Den nördlichen Teil des Zentrums dominiert dieser monumentale Bau aus dem Jahr 1180, der mit seinen massiven Mauern und dem Wassergraben sofort ins Auge fällt. Als einzige so vollständig erhaltene Residenz der Grafen von Flandern bietet Gravensteen die Möglichkeit, über einen authentischen Wehrgang zu spazieren und geheimnisvolle Innenräume zu erkunden.
Im Inneren erwarten euch eine Sammlung historischer Waffen und eine etwas schaurige Ausstellung mittelalterlicher Folterinstrumente.
Der Hauptgrund, bis ganz nach oben auf den Hauptturm (Donjon) zu steigen, ist jedoch der unvergleichliche Rundumblick über die Dächer von Gent und auf das Drei-Türme-Panorama.
Für Geschichts- und Fotografiebegeisterte ist das ein absolutes Muss.
Der Belfried von Gent (Belfried von Gent)
Dieser majestätische, 91 Meter hohe Turm wurde im Gegensatz zu den umliegenden Kirchen nicht für die Kirche errichtet, sondern als Symbol für die Unabhängigkeit, den Reichtum und die Stadtrechte des mittelalterlichen Gent. In seinem Inneren verbirgt sich ein beeindruckendes Glockenspiel mit 54 Glocken, das regelmäßig die gesamte Altstadt mit seinem Klang erfüllt. Der Hauptgrund für einen Besuch des Belfrieds ist jedoch die Möglichkeit, mit dem Aufzug in die oberste Etage zu fahren oder über die Treppe hinaufzusteigen. Von dort eröffnet sich euch ein atemberaubender 360-Grad-Blick auf die ganze Stadt, bei dem euch die benachbarte Kathedrale und die St.-Nikolaus-Kirche buchstäblich zu Füßen liegen. Um die Geschichte von Gent umfassend zu erleben, ist dieser Besuch ein absolutes Muss.
St.-Elisabeth-Kirche in Gent
Wenn ihr dem touristischen Trubel rund um die großen Türme für eine Weile entkommen möchtet, geht nordwestlich des Zentrums ins Viertel Sint-Elisabeth. Den Platz dort dominiert eine monumentale Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert, die das Herz des hiesigen Beginenhofs war. Der Ort bezaubert mit einer ganz anderen, stillen Atmosphäre – umgeben von grünen Rasenflächen, gepflegten Bäumen und malerischen historischen Häuschen mit weißen Fassaden. Für Reisende ist das ein idealer Tipp, um eine authentische und weniger bekannte Seite von Gent zu erleben, originelle Fotos ohne Hunderte fremde Menschen im Bild zu machen und einen Einblick in die faszinierende Geschichte des geistlichen Lebens der Frauen in Flandern zu gewinnen.
Spaziergang von der Kraanlei über Sluizeken zur St.-Jakobs-Kirche
Als ich in Gent nichts mehr geplant hatte, beschloss ich, an der Leie entlangzuspazieren. Dabei stieß ich auf die oben erwähnten Gassen, entdeckte ein „Mini-Bierfestival“ und gelangte bis zur St.-Jakobs-Kirche.
Solche Veranstaltungen finden in der Stadt sicher nicht immer statt, aber ich empfehle euch, nachzuschauen, ob an eurem Besuchstag etwas in Gent los ist. Die Belgier lieben schließlich Bier und Schokolade. Auf Festivals bin ich in Brügge, Antwerpen und auch hier gestoßen. Es finden also jede Menge Veranstaltungen statt. Man muss nur danach suchen, und vielleicht bereichert das euren Besuch.
Bei der St.-Jakobs-Kirche bin ich im Bistro „Frituur Bij Sint-Jacobs SYMPA“ etwas essen gegangen. Wenn ihr dort seid, empfehle ich euch, zu probieren, was gerade auf der Speisekarte steht.
Lokale Brauereien und Chocolaterien
Die lokalen Brauereien habe ich leider nicht mehr besuchen können, weil mein Tag schon vollgepackt war. Wenn ihr aber nach lokalen Kleinbrauereien oder Kneipen mit eigenem Bier sucht, findet ihr hier ein paar Tipps für interessante Lokale: